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Es ist vollbracht – Predigtreihe Passionspredigten Herzogenrath

Predigt über: Die sieben Worte Jesu am Kreuz:

„Es ist vollbracht“ Joh. 19,30

28.März 2020 18 Uhr

von  Britta Schwering

Der Gottesdienst auf youtube: https://youtu.be/orWci7A52rk

„Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus“(1.Kor.1,3)

 

Liebe Gemeinde!

 

(Evangelium:  Joh. 19,28- 30 :

28 Danach, als Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet.

29 Da stand ein Gefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und legten ihn um einen Ysop und hielten ihm den an den Mund.

30 Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht. Und neigte das Haupt und verschied.)

 

„Es ist vollbracht“.   Deutlich ausgesprochen, eventuell nur gehaucht.

Dann kommt das Ende. Jesus neigt das Haupt und stirbt. Ein langer qualvoller Tod ist dieses Sterben am Kreuz. Ein unglaublich großes Unrecht ist geschehen, denn Jesus wird verurteilt, obwohl er unschuldig ist.

 

3 Worte. Kurz, knapp, prägnant.

 

„Was willst Du denn darüber predigen?“ fragt mich meine Tochter.

Auch ich denke über diese Worte nach, und frage mich: Was sie bedeuten?

Und nähere mich, indem ich überlege, was Jesus nicht gesagt hat.

Anfang der Arie spielen (Guiomar)

 „Ich habe es vollbracht.“

 

Nein, das sagt Jesus nicht. Nicht er hat gehandelt, nicht er hat es vollbracht. Er spielt sich nicht in den Vordergrund. Er hat sich in Gottes Hand gegeben. Er geht den Weg der Wahrheit und dadurch folgt er der Schrift, erfüllt seine Bestimmung. Er lässt sich ans Kreuz schlagen, um zu sterben. Aber er hat es nicht vollbracht.  In der Lesung haben wir zweimal diese 3 Worte gehört. In Vers 28  „danach, als Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war…“. Und gleich darauf in Vers 30 „ Jesus sprach: Es ist vollbracht.“ Gewiss kein Zufall, sondern Absicht um den Worten Gewicht zu verleihen.

Anfang der Arie spielen (Guiomar)

„Ich habe es geschafft.“

 

Auch das sagt Jesus nicht. Etwas geschafft haben, das heißt nicht gleich es zu Ende zu bringen. Das Wort geschafft hat nicht diese Endgültigkeit. Schaffe ich etwas, dann kann es auch ein Abschnitt sein. Ich schaffe 5 km zu Laufen, ich schaffe es eine Sprache zu erlernen. Ich schaffe es gelassen zu bleiben. Ist etwas geschafft, bleibt ein positives Gefühl, eine Leistung wurde erbracht, aber ich baue darauf auf, es geht weiter, quasi ein Etappenziel.

Anfang der Arie spielen (Guiomar)

 

„Es ist zu Ende.“ 

Nein, auch das sagt Jesus nicht. Ist etwas vollbracht, so ist es natürlich zu Ende, aber vieles kann zu Ende gehen. Die Kindergartenzeit, die Schulzeit, ein Kinofilm. Zu Ende sein: das ist nicht stark genug. Es ist vollbracht, das ist der großer Wurf, eine gigantische Anstrengung, etwas was man nur einmal im Leben bewerkstelligen kann und wird.

Worte waren dem Evangelisten Johannes wichtig. Seine Worte sind uns überliefert und werden auch heute noch immer wieder gelesen. Worte sind auch für uns wichtig. Das gesprochene Wort hat einen großen Stellenwert in unserer Zeit, da es unseren Verstand anspricht. Die Musik hingegen spricht unsere Gefühle an. Deswegen gehört Musik in unsere Gottesdienste und bereichert sie. Die Worte „Es ist vollbracht“, sind oft vertont worden.  Ich habe lange in einer Kantorei gesungen. Und gleich zu Beginn, als ich über die Worte, die mich immer wieder aufs Neue stark bewegen, nachgedacht habe, hatte ich diese wunderbare Arie aus der Johannespassion von Bach im Ohr. „Es ist vollbracht – Predigtreihe Passionspredigten Herzogenrath“ weiterlesen

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Von Gott verlassen? Predigtreihe Passionspredigten Herzogenrath, Renate Fischer-Bausch

Herzogenrath Passionspredigtreihe in der Markuskirche 2020

 „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“  (Markus 15,34)

Sonntag Lätare, 22. März 2020

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen Amen

Liebe Gemeinde,

„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“  Markus 15,34

Aufschreckend und todesmutig, laut geschrien und hörbar ist dieses – eines von sieben Worten, die Jesus gesagt haben soll, als er ans Kreuz genagelt war. Markus, einer der ältesten von denen, die von Jesus als Gottessohn – von seinen Worten, Taten und von seinem Sterben und Auferstehen in einem Evangelium erzählt haben, hat uns dieses Wort als eines der letzten Worte Jesu am Kreuz so überliefert: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“…

Jesus hängt am Kreuz, ein quälendes  Stück über dem Boden erhöht, so dass die Füße keinen Raum mehr haben, Schritte zu tun – die Hände /die Handgelenke sind ihm gebunden und übereinander gelegt –  die Füße. Nägel sind hindurchgetrieben. Ein unbeschreiblicher Schmerz durchzieht den ganzen Menschen – steigert sich – alles wird zur Qual von Kopf bis Fuß, in den Händen und Armen – der Atem wird knapp, der Kreislauf versagt allmählich – es ist ein elendes  Leiden – ein über Stunden dauerndes, stundenlanges Sterben.

Es ist ein Sterben, das von Schuld herkommt, das andere so für Jesus herbeigeführt  haben durch unsolidarisches Verhalten, Verrat, Auslieferung, Verleugnung, Nicht-Verhindern, Verurteilen, Vollstrecken.

Es ist ein Sterben, bei dem den nächsten Angehörigen das  Dabeisein verwehrt wurde, bei dem andere, Außenstehende  dem Sterbenden zusehen: gleichgültig, seine Kleidung bereits verlosend, auf seinen Besitz bedacht.

Argwöhnisch, mit lieblosem Blick wird der sterbende Jesus bewacht, sein Schwächer –Werden wird verhöhnt, sein sich Dahingeben ohne Gewalt – verspottet.

Auf der Hinrichtungsstätte, der Schädelstätte Golgatha in den Schmerz, in die Angst vor dem Tod getrieben, in die Verzweiflung über die Endlichkeit und Vergänglichkeit allen Wirkens – so hängt Jesus am Kreuz. Da ist keiner, der Anteil nimmt oder helfend eingreift, … im Gegenteil:

Schaulustig gehen die, die da sind, auf Abstand, halten Distanz – sehen und hören, was sie sehen und hören wollen: einen Sterbenden, einen der aufgibt und das, wofür er gelebt hat.??

Was ist das für ein Sohn Gottes, der ein solches Ende nimmt? So etwas kann doch keinem Gott widerfahren?!

Am Kreuz Jesu scheitert jede traditionelle Vorstellung von Gott….. „Von Gott verlassen? Predigtreihe Passionspredigten Herzogenrath, Renate Fischer-Bausch“ weiterlesen

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Die sieben Worte Jesu am Kreuz, zweite Predigt, Erhard Lay, Herzogenrath 2020

Herzogenrather Passionspredigten in der Markuskirche 2020, 2. Predigt

 

Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein    Lk 23,43

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Die 2. Predigt in unserer Passionspredigtreihe befasst sich mit dem Wort Jesu, das da lautet: „Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“

 

Bei der Vorbereitung dieser Predigt drängte sich mir plötzlich die Erinnerung an eine Videoszene in den Nachrichten aus dem Jahr 2015 auf, die zeigte, wie eine Gruppe von 21 Männern aus Ägypten, koptische Christen, an einem Strand in Libyen aufgestellt wurden, jeweils ihr Henker vom sog. Islamischen Staat mit dem Messer in der Hand hinter ihnen. Das Video, das im Internet verbreitet wurde, hatte den Titel: „Eine in Blut geschriebene Nachricht an die Nation des Kreuzes.“

 

Mir stellte sich die Frage, was es für mich bedeutet hätte, wenn ich dort hätte stehen müssen und der Mitchrist neben mir dieses Bibelwort zu mir herübergerufen hätte.

 

Natürlich sind die beiden Situationen nicht voll vergleichbar. Die Männer in Libyen wurden nicht wegen Verbrechen getötet, sondern einfach nur wegen ihres Glaubens. Und es war nicht Jesus, der ihnen seine Gemeinschaft in Gottes Reich versprochen hatte. Aber ihre Gefühlslage war ähnlich wie bei den Männern an den Kreuzen auf Golgatha. Und unser Gemüt wird durch dadurch auch nicht unberührt bleiben.

 

Wenden wir uns also dem zu, in welcher Situation Jesus diese Worte nach Lukas sagt. Wir haben die Geschichte eben in der Lesung schon gehört. Die Kreuzigung von drei Verurteilten hatte bereits stattgefunden. Es war Brauch bei den Römern, wenn es sich anbot, mehrere Delinquenten gleichzeitig zu kreuzigen, in einem Aufwasch sozusagen. Zwei Übeltäter und Jesus in der Mitte. Was die beiden anderen verbrochen hatten, beschreibt Lukas nicht, Markus und Matthäus nennen die beiden Räuber, Johannes lässt eine nähere Bezeichnung weg.

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Die sieben Worte Jesu am Kreuz, Joachim Leberecht, Herzogenrath 2020

Herzogenrather Passionspredigtreihe in der Markuskirche 2020, 1. Predigt

1 „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Lk 23,34

Liebe Gemeinde,

seit dem Mittelalter werden die sieben Worte Jesu am Kreuz meditiert. Die letzten Worte Jesu haben eine breite literarische Spur hinterlassen. Viele von ihnen sind in das kollektive Bewusstsein eingegangen. Unsere Predigtreihe über die sieben Worte Jesu am Kreuz beginnt mit dem ersten: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ (Lukas 23,34)

Es steht im Lukasevangelium. Stück für Stück möchte ich es entfalten und herausstellen, dass das erste Wort Jesu am Kreuz uns zu einem guten Leben führen will.

 

Vater

Jesus redet Gott mit Vater an. Jesus sagt einfach Vater zu Gott. Vorher hat Gott Jesus bei seiner Taufe Sohn genannt (Lukas 3,22). Ich habe das Lukasevangelium durchgeblättert und festgestellt, dass der lukanische Jesus Gott wiederholt direkt mit Vater anspricht.

Am auffälligsten ist das beim Vater unser, dem bekanntesten Gebet der Christenheit, wenn nicht des ganzen Erdkreises. Wir haben es nach dem Matthäusevangelium aus der Bergpredigt gelernt, und aus „Unser Vater“, wie es bei Matthäus heißt, wurde das „Vater unser“. In der Feldrede bei Lukas lehrt Jesu seine Jüngerinnen und Jünger einfach Vater zu sagen – ohne jegliches Pronomen. „Vater! Dein Name werde geheiligt! Dein Reich komme!“ (Lukas 11,2)

Weiter fällt auf: Lukas ist der einzige Evangelist, der das bekannte Gleichnis vom verlorenen Sohn erzählt (Lukas 15). Im Gleichnis ist es der Vater, der den verlorenen Sohn mit offenem Armen wieder aufnimmt, obgleich der Sohn sich vorher von ihm losgesagt hatte. Jesus, der Lehrer in der Synagoge; Jesus, der das Reich Gottes verkündigt in Worten und kraft des Geistes durch Heilungen; Jesus, der in Gleichnissen spricht; der sterbende Jesus am Kreuz und der auferweckte Jesus nennt Gott schlicht Vater. „Die sieben Worte Jesu am Kreuz, Joachim Leberecht, Herzogenrath 2020“ weiterlesen

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Zum Blog „der-schwache-glaube“ …

… ist im Einleitungstext „Der schwache Glaube“ alles gesagt. Die Homepage www.der-schwache-glaube.de ist auf die Blog-Seite umgezogen.
Zur Internet-Präsenz gehören Twitter und Facebook. Wenn ich auf interessante Links stoße, dann twittere ich sie meistens. Auf der Seite von Facebook reagiere ich auf das, was andere schreiben oder ich poste mal ein Bild, manchmal auch ein Hinweis auf neu eingestellte Beiträge.

Drüggelter Kapelle am Möhnesee

 

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Weltkrieg im Barock, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2020

Zu:

Marian Füssel: Der Preis des Ruhms, Eine Weltgeschichte des Siebenjährigen Krieges, 1756 – 1763, Verlag C.H.Beck, München 2019, gebunden, 656 Seiten, ISBN: 978-3-406-74005-3, Preis: 32,00 Euro

Link: https://www.chbeck.de/fuessel-preis-ruhms/product/27671844

 

Marian Füssel, geboren 1973, arbeitet als Professor für neuere Geschichte in Göttingen. Er hat schon mehrere Bücher über den Siebenjährigen Krieg geschrieben, darunter auch ein kleines Kompendium (siehe unten). Auf dieses umfangreichere Buch wurde ich durch eine Rezension im Soester Stadtanzeiger aufmerksam, einer wöchentlich erscheinenden Werbezeitung, die vor allem lokale Themen aufgreift.

Der Siebenjährige Krieg ist in unserer Region rund um Welver präsent, da in Vellinghausen eine große Schlacht dieses Krieges stattfand, welche durch ein Schlachtpanorama im Heimathaus Welver präsentiert wird.

Was also ist das Besondere dieses Fachbuches mit dem Titel „Der Preis des Ruhms“?

Als ich die Erläuterung für den Ansatz des Buches las, musste ich an ein Gedicht von Bertold Brecht denken: „Fragen eines lesenden Arbeiters“. Hier fragt sich der lesende Arbeiter unter anderem: „Wer baute das siebentorige Theben?“ Ist nicht Geschichte in der Vergangenheit gerade dann, wenn es um Kriege und Schlachten ging immer aus der Sicht von Königen und Herrschaften erzählt worden?

Wo bleiben die Stimmen der Soldaten, der Offiziere und anderer Beteiligten? Wer also führte, gestaltete und erlitt den Siebenjährigen Krieg? Marian Füssel ist in der Vorbereitung schon früherer Werke zum Krieg auf Tagebücher und Augenzeugenberichte gestoßen, die zum Teil schon im 18. Jahrhundert in umfangreichen Editionen veröffentlicht worden sind. Hier in diesem Buch werden also Berichte zitiert, die die Kriegshandlungen und ihrer Folgen aus erster Hand kommentiert haben. Diese Erlebnisberichte sind der Hauptgegenstand des Buches.

Damit wird aber nun erneut der Krieg erzählt. Doch in dieser Nacherzählung geht es weniger um das Schachbrett der Weltgeschichte. Die Frage, die Marian Füssel verfolgt, ist die Darstellung des Krieges in globaler Perspektive. Schon dieser Krieg, der nicht nur in Europa stattfand, als Konflikt zwischen England und Frankreich oder Preußen und Österreich, lässt sich in globaler Perspektive als Weltkrieg verstehen.

In den ersten Kapiteln des Buches wird in dieses Thema eingeführt, einige Quellentexte vorgestellt und auf die Bedeutung der Selbstzeugnisse hingewiesen. Gerade die Selbstzeugnisse sind ein Beleg für die globalen Dimensionen des Krieges. Die Kriegsparteien und ihre Ressourcen werden dargestellt. Kleine Karten verdeutlichen die Bedeutung der jeweiligen Regionen. Eine These Marian Füssels etwa lautet z. B., dass die Kriegsführung durch eine Entlastung der Zivilbevölkerung (im Vergleich zu früheren Kriegen wie dem dreißigjährigen Krieg) und „truppenschonende Manöverstrategie“ effektiver geworden ist.

Die Beschreibung des Krieges lässt in diesem Buch also weniger die strategische oder politische Perspektive deutlich werden, sondern wird hauptsächlich von den Quellen her erzählt.

Obwohl diese Quellenzitate dem Text einen Realitätsbezug geben, verlieren Leser und Leserin gleichwohl schnell der Überblick. Ein weiterer Nachteil ist, dass die Quellenzitate als realistisch angenommen werden. Dabei wird z. B. den Indianern, die auf französischer Seite in Amerika gekämpft haben, unterstellt, sie hätten den Opfern den Schädel gespalten, sie vorher skalpiert und von ihrem Fleisch gegessen (Kannibalismus, hier S. 88). Da der Autor sich von dieser Schilderung nicht distanziert, habe ich von hier an nicht mehr weiterlesen wollen, wahrscheinlich, weil mich solche Kriegsbilder zu drastisch sind und ich auch nicht sicher bin, ob es nicht eine pure Übertreibung ist. (Hierzu gibt es evtl. eine Diskussion, die aber hier im Buch unerwähnt bleibt, wie z. B. in diesem Artikel: https://www.zeit.de/zeit-geschichte/2011/01/Kannibalismus-Neue-Welt).

Im Zusammenhang der Rezension entdeckte ich das kleine kompakte Taschenbuch:

Marian Füssel: Der Siebenjährige Krieg, Ein Weltkrieg im 18. Jahrhundert, Verlag C. H. Beck, München 2010/2013 Taschenbuch, 129 Seiten, mit zwei Abbildungen und vier Karten, ISBN 978-3-406-60695-3, Preis: 8,95 Euro

Schon in diesem kleinen Taschenbuch wird von Marian Füssel der siebenjährige Krieg als Weltkrieg dargestellt. Hier findet sich auch das Ortsregister und die Zeittafel, die ich im anderen Band vermisse. Die Schlacht in Vellinghausen war demnach am 15. und 16. Juli 1761. Das hätte ich zwar schon vorher wissen können, aber jetzt kann ich diese Schlacht als ein Beispiel der Materialschlacht verstehen, in der eine Übermacht der Franzosen von der englischen Partei auf preußischem Territorium vernichtend geschlagen wurde.

Die Bücher von Marian Füssel zeigen also, dass die Geschichte des Krieges nicht nur etwas mit Macht zu tun hat, sondern auch mit globalen Wirtschaftsinteressen.

Kirchen im Wandel in Zürich, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2020

Zu:

Yves Baer, Francois G. Baer: Die Zürcher Altstadtkirchen, Eine Stadtgeschichte entlang der Sakralbauten, NZZ Libro im Schwabe Verlag, Basel 2019, gebunden in flexiblem Einband, farbig illustriert, ISBN: 978-3-03810-438-4, Preis: 34,00 Euro

Link: https://www.nzz-libro.ch/zuercher-altstadtkirchen-stadtgeschichte-entlang-der-sakralbauten#media

Der Zürcher Stadtführer ist so gestaltet, dass er bei der Stadtbesichtigung mitgeführt werden kann. Der Schwerpunkt liegt bei der Stadtgeschichte, die fortlaufend gelesen werden kann. Die Entstehung der Zürcher Kirchen ist von der Stadtgeschichte nicht zu trennen.

So war der Zürcher Reformator Ulrich (Huldrych) Zwingli ein Mitglied des am Grossmünster tätigen Stifts. 1517 wurde er zum Leutpriester gewählt und war für die Seelsorge des einfachen Volkes zuständig. In diesem Jahr führte er per Abstimmung im Stift die Reformation ein, die zuerst auch von Luther geprägt war, dann aber eigene Wege ging.

Selbstverständlich ist das Buch immer auch als kunsthistorischer Führer gedacht, bevor er auf Kunstdenkmale eingeht und auf historisch interessante Details.

So lässt sich das Buch, wie vom Untertitel versprochen, als Stadtgeschichte lesen, die die geographischen und frühhistorischen Besonderheiten der Stadt nicht auslässt.

Ein besonderer Aspekt ließ mich zu diesem Buch greifen, und zwar nicht nur die Baugeschichte der Kirchen, sondern die Geschichte ihrer Umnutzung. Durch den besonderen Schwerpunkt der reformierten Kirche waren Kirchen nicht nur als Sakralbau gefragt, sondern mehr als als repräsentative Gebäude. Christoph Sigrist, Pfarrer am Grossmünster schreibt im Vorwort: „Wäre es ihnen in den Sinn gekommen, dass die Altstadtkirchen in Zürich im Verlauf der Jahrhunderte zu Lagerstätten für Kartoffeln, Bücher und Geld, zu Spitälern und Stadtkirchen wurden? Hätten sie gedacht, dass das reformierte Grossmünster im 19. Jahrhundert die damalige Tagsatzung der Eidgenossenschaft beherbergte und so zum Nationalsaal der Schweiz wurde? Die Stadtgeschichte entlang der Kirchen entpuppt sich als wahrer Krimi mit sakralen Noten.“ (S. 9)

Ein Hinweis: Bei allem Interesse für die stadtgeschichtlich und bauhistorisch bedeutenden alten Kirchen Wasserkirche, Fraumünster, Predigerkirche, Grossmünster sollte man auch die Notizen zu der erst 1894 erbauten katholischen Liebfrauenkirche zur Kenntnis nehmen. Das Gebäude sticht aus dem Ensemble der umgebenden Häuser heraus, weil es auf einer Terrasse erbaut wurde. Dazu hat es die Gestalt einer frühromanischen Basilika nach italienischem Muster. Der Campanile, ein Treppenturm im italienischen Stil ist gut sichtbar und erinnert so an die Verbindung Zürichs mit Rom und Italien.

Eine einzige Kritik an Buch wäre vielleicht doch angebracht, und zwar ist durch die Fülle an Bildern und Informationen an einigen Stellen die Schrift zu klein geraten, worunter die Übersicht manchmal etwas leidet. Aber die Vielzahl der Bilder und Karten ist schon eindrucksvoll.

Neustart. 15 Lehren aus der Corona-Krise, Leseprobe, Christoph Quarch, Daun 2020

Christoph Quarch: Neustart. 15 Lehren aus der Corona-Krise, legenda Q, Daun 2020,

Handwerklich gedruckt und gebunden im Druckhaus Schneider in Daun, Gedruckt auf 100% Recycling Papier, Alle Rechte vorbehalten, Lizenz erteilt, ISBN 978-3-948206-04-8, Preis: 9,90 Euro

Links: www.christophquarch.de, www.legenda-Q.de

Als Leseprobe veröffentliche ich mit Genehmigung des Autors die Kapitel 1-3:

Die Natur lässt sich nicht beherrschen

 

Im Jahr 1637 schrieb der Philosoph René Descartes, der Mensch sei »Herr und Meister der Natur«. Jedenfalls sei dies seine Bestimmung. Das war der Startschuss zu einer beispiellosen Nutzbarmachung, Beherrschung und Zerstörung der Natur. Seither glaubt der Mensch der Neuzeit, sich die Welt mit Wissenschaft und Technik dienstbar machen zu können. Diesem Glauben verdanken sich nicht nur Wohlstand und Komfort der Gegenwart, sondern auch die von den IT-Giganten des Silicon Valley verheißene Erlösung des Menschen von der Natur durch seine Umwandlung in Daten und in Algorithmen. Wir standen so kurz vor dem Ziel… – und nun das!

Oder etwa nicht? Zweifel sind erlaubt. Descartes glaubte, die lebendige Welt sei nichts anderes als eine große Maschine, die der Mensch gebrauchen könne. Heute glauben wir, sie sei ein einziger Datenbestand, den wir mit Hilfe unserer Maschinen berechnen und perfektionieren können. Corona aber lehrt uns, dass es ganz so leicht nicht geht: dass das Leben weder eine Maschine, noch ein Algorithmus ist, sondern ein fragiles Ereignis inmitten eines großen, wundersamen Schauspiels, das die Griechen phýsis nannten: Natur. Dieses Schauspiel folgt zwar ehernen Gesetzen, aber gleichwohl gibt es Raum für Anarchie und Improvisation. Unvorhersehbares ist im Spielgeschehen der Natur vorgesehen. Die Quantenphysik lehrt, dass alles stets auch anders sein könnte – und dass unsere sichtbare und scheinbar so verlässliche Welt schwankend auf einem Ozean von Möglichkeiten schwimmt.

Mikro-Organismen können jederzeit mutieren. Mikroben, mit denen wir eben noch in friedlicher Koexistenz lebten, können schlagartig zur Gefahr werden. »Alles fließt«, wusste schon Heraklit – ohne dass er dabei ahnte, dass dieser Planet mitnichten das »Dominium Terrae« eines gottgleichen Menschentums ist, sondern das Imperium unermesslich vieler Lebewesen, deren unsichtbares Miteinander allererst die Voraussetzungen schafft, unter denen Menschen leben können. Die Wahrheit ist: Wir sind nur Gäste in einer von uns unbeherrschbaren Natur, die augenblicklich ihre Muskeln spielen lässt. Uns das im Zeitalter des Klimawandels zu Bewusstsein zu bringen und es zu beherzigen ist die erste Lektion, die uns das Virus lehrt.

„Neustart. 15 Lehren aus der Corona-Krise, Leseprobe, Christoph Quarch, Daun 2020“ weiterlesen